Rüdiger Schulze

Covid19 ist für Energieversorger mehr Chance als Gefahr

Obwohl die Versorgungswirtschaft von den Auswirkungen der Pandemie weniger hart getroffen ist als andere Branchen, bietet sich aufgrund der Krise die Chance, bislang halbherzig verfolgte Herausforderungen der Digitalisierung anzugehen.

Auch die Energiebranche ist von Covid19 getroffen: Auswirkungen auf die Branche

Die Experten in den Regierungen, Hochschulen und Wirtschaftsverbänden sind sich einig: Wir stehen vor einer Rezession deren Ausmaß noch nicht klar beschrieben werden kann, deren Eintritt jedoch unbestritten ist. Die durch den Virus Covid19 hervorgerufene Lungenerkrankung hat sich im Jahr 2020 zu einer Pandemie entwickelt und die Folgen aufgrund der getroffenen Maßnahmen treffen Wirtschaft und Gesellschaft hart. Die Besonderheit an dieser Krise ist, dass es sich nicht um eine Nachfrage- oder Angebotskrise handelt wie in vergangenen Krisen, sondern dass sowohl Nachfrage- als auch die Angebotsseite aufgrund der politischen Eingriffe in ihrem Handeln eingeschränkt wurden. Sicher steht zu erwarten, dass nach dem Ende der nationalstaatlichen Lockdowns eine Erholung erfolgt. Allerdings ist die Mechanik des wieder in Schwung kommenden Wirtschaftskreislaufes nur eine von vielen Faktoren. Ein noch völlig unklarer Aspekt ist, inwiefern sich das Vertrauen von global agierenden Akteuren in die Lieferketten wiederherstellen wird. Und da Vertrauen eine nicht unerhebliche „Zutat“ des Wirtschaftskreislaufes ist, ist eine schnelle Erholung auf das Vorkrisenniveau im Jahr 2020 nicht zu erwarten.

Die Energiewirtschaft ist per Definition als Unternehmen der Versorgungswirtschaft und Anbieter von kritischen Dienstleistungen (KRITIS) weniger stark von der Krise erfasst. Auch wenn in der öffentlichen Wahrnehmung nicht überlebensnotwendig, wie z.B. die Nahrungsmittelindustrie, so sind die Dienstleistungen der Energiewirtschaft (Energie, Netz, etc.) auch in Krisenzeiten unverzichtbar.

Sofern man unter der Energiewirtschaft im engeren Sinne die Energieproduzenten von Strom und/ oder Gas, die Netzbetreiber und den Strom- und/ oder Gasvertrieb versteht, lassen sich schnell auszugsweise einige typische Auswirkungen auf das Geschäftsmodell erfassen.

Falls man die Betrachtung noch auf integrierte Stadtwerke erweitert, welche auch ÖPNV, Bäderbetriebe und weitere städtische Leistungen betreiben, wird die Liste der Beispiele noch länger: Diese Unternehmen haben oder werden aufgrund der reduzierten Nachfrage nach den angebotenen Dienstleistungen, Nachfragerückgänge verzeichnen. Eine Anmeldung von Kurzarbeit ist in diesen Bereichen zu erwarten.

Wenn auch noch die Energiewirtschaft im weiteren Sinne, wie zum Beispiel das Raffinerie- und Tankstellengeschäft, betrachtet werden, lassen sich schnell weitere Effekte aufgrund der einbrechenden Nachfrage ableiten.

Handlungsoptionen: Keine Revolution, aber Katalysator für die Digitalisierung!

Die Auswirkungen auf die Energiebranche als Ganzes sind enorm. Exakte wirtschaftliche Modelle, die die monetären Effekte detailliert aufzeigen, gibt es noch nicht. Jedoch kann man ohne weiteres feststellen, dass relativ zu anderen Branchen betrachtet, der Effekt als moderat bezeichnet werden muss. Selbst wenn die kumulierten monetären Implikationen von Minderverbräuchen in der Energiewirtschaft hohe Volumina erreichen, so ist doch die „Mechanik“ der Industrie nicht grundsätzlich beeinträchtigt. Hingegen wird das Inbetriebnehmen stillgelegter Produktionsprozesse sowie die Reaktivierung der globalen Lieferketten eine komplexe und hochkomplizierte Herausforderung deren langfristige Kosten aktuell kaum abschätzbar sind. Die Versorgungswirtschaft im Vergleich kann aktuell nach wie vor Dienstleistungen erbringen und abrechnen: Man befindet sich im Wesentlichen in einer Situation verminderter Nachfrage.

Mögliche Handlungsoptionen und Maßnahmen zeigen daher auch kein radikales Bild einer Revolution bei etablierten Geschäftsmodelle bzw. der bestehenden Prozesse. Vielmehr lassen sich bekannte Handlungsfelder erkennen, die im Rahmen der voranschreitenden Digitalisierung der letzten Jahre bereits diskutiert wurden. Die aktuelle Krise ist für die Energiewirtschaft insofern sogar eine Chance, da sie als „Katalysator“ die Branche zwingt, sich mit Prozessverbesserungen durch Digitalisierung zu beschäftigen. Im Folgenden eine beispielhafte, jedoch nicht abschließende Systematisierung und Aufzählung (geordnet nach „Impact“):

Kollaboration/ Mitarbeiter

IT und OT (Informations-Technologie und Operational Technology (Anlagen, Netze, Kraftwerke, etc.))

Digitalisierung Geschäftsprozesse

Administrative Prozesse

Zusammenfassung

Die Effekte von Covid19 auf die Energiewirtschaft sind immens. Doch zeigt sich, dass sich die Energiewirtschaft als Teil der Versorgungswirtschaft in einer relativ besseren Situation befindet als weitere Branchen, z.B. die industrielle Produktion. Trotzdem zwingt die Krise die Energiewirtschaft zum Handeln. Konkret gibt es die Chance, die branchen-intern bislang halbherzig verfolgten Herausforderungen der Digitalisierung anzugehen.

Kollaboration/ Mitarbeiter

IT und OT

Digitalisierung Geschäftsprozesse

Administrative Prozesse

Quellen/ Verweise:
https://ruedigerschulze.ch/2018/05/28/digitalisierung-energiewirtschaft-kein-erfolgsmodell